Wie flexibel müssen Nachwuchswissenschaftler sein? Stellungnahme der VMPV zum WissZeitVG

Das Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) regelt u.a. Befristungen in der Wissenschaft und die Vertretungen von über 20.000 Promovierenden aus Mitteldeutschland äußern sich nun zur Novelle des Gesetzes. Bereits im November hatten sich verschiedene Mittelbauinitiativen (externer Link) ebenfalls an den zuständigen Ausschuss für Wissenschaft des Bundestages gewandt. Der Verbund mitteldeutscher Promovierenden Vertretungen (VMPV) kritisiert nun vor allem die Arbeitgeberfreundlichkeit des Entwurfs. Die Familien- und Behinderungspolitische Komponente muss endlich Verbindlichkeit erlangen. Die von Seiten der Arbeitgeber gewünschte Flexibilität hinsichtlich kurzer Befristungsdauern wird abgelehnt, wo sie nicht zielführend ist: bei Daueraufgaben. Was das novellierte Gesetz zwar nicht schaffen kann, aber Teil des Problems ist, sind mehr Stellen ​​in der Wissenschaft ​und eine Perspektive für Nachwuchswissenschaftler unterhalb der Professur.

Hier gehts zur Stellungnahme und PM.

 

Ergebnisse der Vernetzungsveranstaltung vom 15.07.2015

Das Protokoll der Veranstaltung findet sich hier.

Wir konnten u.a. begrüßen die bildungspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen Die Linke (Hendrik Lange), SPD (Dr. Katja Pähle) und B90/Die Grünen (Prof. Dr. Claudia Dalbert) sowie Ingrid Stude für den Personalrat der MLU und die GEW, Dr. Astrid Junker vom Postdoc Board des IPK Gatersleben und Patrick Pfeil für die Landesvertretung Akademischer Mittelbau Sachsen (LAMS). Um unserem Ziel einer konstruktiven Diskussion um die Perspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses in Sachsen-Anhalt näherzukommen, hätten wir uns Verteter des Rektorats der MLU und aus dem Wissenschaftsministerium gewünscht.

Wir besprachen verschiedenste Themen wie

  • Betreuungsvereinbarungen
  • Doktorandenerfassung
  • Mindeststandards für befristete Beschäftigungsverhältnisse
  • die Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes
  • die Verwendung der freigewordenen BaföG-Millionen im LSA
  • die Ausfinanzierung der MLU sowie die Schaffung von mehr unbefristeten Stellen
  • die Landesgraduiertenförderung
  • die vorgeschlagene Dienstvereinbarung des Personalrates der MLU
  • tenure-track Professuren sowie
  • die Konstituierung eines Ausschusses zur Vorbereitung der Wahl eines Promovierendenrates an der MLU.

Genug Stoff, um nach der Sommerpause weiterzumachen.

Vernetzungstreffen des wissenschaftlichen Nachwuchses Sachsen-Anhalt am 15.07.2015

Sehr geehrte Promovierende, Promovierte und JuniorprofessorInnen, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

durch die vielfältigen Reaktionen auf den „Offenen Brief“ wurden die InitiatorInnen ermuntert, weitere Schritte zu gehen. Diskussionen laufen bereits auf der Ebene von Fakultäten, Senat und im Land Sachsen-Anhalt. Wir laden deshalb vor der wohlverdienten Sommerpause alle interessierten Promovierenden, Promovierten (Postdocs) und JuniorprofessorInnen der Martin-Luther-Universität Halle–Wittenberg zu einem ersten Vernetzungstreffen ein. Die Einladung richtet sich gleichermaßen an alle interessierten WissenschaftlerInnen und Beschäftigte der Universität Halle sowie VertreterInnen von den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Sachsen-Anhalt. 

 
15. Juli 2015, 18:00 bis 20:00 Uhr
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Löwengebäude, Universitätsplatz, Hörsaal 13
 

Wir wollen die aktuellen Entwicklungen und Forderungen in Hinblick auf unsere Universität und das Land Sachsen-Anhalt besprechen und das weitere Vorgehen abstimmen. Die Kontakte zu den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in unserem Bundesland und dem mitteldeutschen Raum sollen gestärkt werden. Dabei sollen insbesondere auch die spezifischen Interessen von bereits promovierten WissenschaftlerInnen und des gesamten wissenschaftlichen Nachwuchses einbezogen werden.

Als Tagesordnung schlagen wir vor:

  1. Begrüßung durch die Promovierenden-Initiative / Moderation Cathleen Rabe-Rosendahl
  2. Aktuelle Entwicklungen im Kontext des „Offenenen Briefes“ und der Initiative für den wissenschaftlichen Nachwuchs Sachsen-Anhalt (Dr. Hilmar Preuß)
  3. Diskussion / Wortmeldungen zum weiteren Vorgehen an der Universität Halle und den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Sachsen-Anhalt (alle)
  4. Bildung eines Wahlausschusses zur Einrichtung eines Promovierendenrates (ProRat) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  5. Ausbau der Initiative für den wissenschaftlichen Nachwuchs Sachsen-Anhalt – statusgruppenübergreifend, unter Einbeziehung der verschiedenen Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Land – (Dr. Hilmar Preuß)
  6. Bestätigung von SprecherInnen der Initiative für den wissenschaftlichen Nachwuchs Sachen-Anhalt
  7. Vorbereitung einer landesweiten Unterschriftensammlung / Kampagne:

 

Das Land Sachsen-Anhalt und seine nachwachsende Generation in Wissenschaft und Wirtschaft benötigen einen sofortigen und effektiven Kurswechsel in der Landespolitik.   Wissenschaft, Wirtschaft, Landespolitik und Verbände müssen in einer konzertierten Aktion eine zukunftsweisende Förderung von Lehre, Forschung, Innovationskraft und Lebensfreude einleiten.      

Wir fordern Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs und das ganze Land u.a. durch:

  • Anschluss Sachsen-Anhalts an die in Europa, der Bundesrepublik Deutschland und zahlreichen anderen Bundesländern vorangeschrittene Wissenschaftspolitik und nachhaltige Innovationsförderung
  • Verstärkung der von der Bundesregierung und den bundesweiten Wissenschafts- und Berufsverbänden gegebenen finanziellen und politischen Impulse in Bildung und Wissenschaft
  • Ausbau angemessener und lukrativer Arbeitsplätze in der Wissenschaft statt Stipendien
  • mehr unbefristete Stellen für Daueraufgaben in Lehre und Forschung
  • aufgabengerechte und kontinuierliche Steigerung der Grundfinanzierung der Hochschulen
 

Da je nach der Anzahl der Teilnehmer am Vernetzungstreffen die Redezeit für Wortmeldungen eventuell beschränkt sein wird, geben wir bereits im Vorfeld des 15. Juli die Möglichkeit zu Kommentaren und Vorschlägen, die gern per Mail, Kommentarfunktion auf der Website oder persönlichem Gespräch erfolgen können.

 

Informationen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, zum „Offenen Brief“, Medienreaktionen sowie erste Kommentare von UnterstützerInnen unter:

 
http://www.ingra.uni-halle.de/phd_student_initiative_halle/
http://prorat.stura.uni-halle.de
http://www.magazin.uni-halle.de/17517/initiative-fuer-wissenschaftlichen-nachwuchs-der-offene-brief-war-ein-erster-impuls/
 
Kontakt:
promovierendeninitiative.halle@gmail.com
oder
Initiative für den wissenschaftlichen Nachwuchs Sachsen-Anhalt: hilmar.preuss@email.de 
 
 
Dr. phil. Hilmar Preuß (Initiative für den wissenschaftlichen Nachwuchs Sachsen-Anhalt)
Dipl. iur. Cathleen Rabe-Rosendahl, LL.M. (Promovierenden-Initiative Halle)
Frank Ursin, M.A. (Sprecher der Promovierenden-Initiative Halle)
Philipp Mohr (Promovierenden-Initiative Halle)
Dr. Jan Grau (wissenschaftlicher Mitarbeiter, MLU Halle-Wittenberg)

Pressespiegel / Reaktionen auf den Offenen Brief

 

  1. Prof. Dr. Claudia Dalbert, hochschulpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag von Sachsen-Anhalt

  2. Prof. Dr. Rainer Finke, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie

  3. Hendrik Lange, hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Landtag von Sachsen-Anhalt

  4. Artikel aus der Mitteldeutschen Zeitung vom 19.06.2015 (externer Link)

  5. Interview aus der Scientia Halensis vom 30.06.2015 (externer Link)

 


Schluss mit Kürzungswahn an den Hochschulen: „Gute Köpfe sind Garant für zukunftsfestes Sachsen-Anhalt“

Der Kürzungskurs der Landesregierung von Ministerpräsident Reiner Haseloff zeigt seine Auswirkungen. Jetzt kommt direkter Widerstand seitens der jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Land. Dazu kommentiert die hochschulpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag von Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Claudia Dalbert:

„Mich wundert es nicht, dass sich junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem Offenen Brief an die Landesregierung von Ministerpräsident Reiner Haseloff wenden. Mich wundert es deswegen nicht, weil die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN von Anfang an vor den Folgen der Kürzungspolitik der Landesregierung gewarnt hat. Mit ihrem Kürzungswahn zerstört die Regierung-Haseloff unsere Hochschulstrukturen.“

„Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag fordert seit mehr als zwei Jahren die Einführung von Tenure-Track-Stellen. Mit Tenure-Track-Stellen öffnen wir eine Tür zu verlässlichen Karrierewegen für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das gibt ihnen finanzielle Sicherheit, und es schafft nachhaltige, personelle Strukturen an den Hochschulen in unserem Land.“

„Daher fordere ich die Landesregierung von Ministerpräsident Reiner Haseloff heute nochmals auf, legen Sie Ihre kurzsichtige Kürzungsbrille ab. Schaffen Sie nachhaltige Strukturen an Hochschulen unseres Landes für unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Gute, junge Köpfe sind der Garant für ein zukunftsfestes Sachsen-Anhalt.“

19.06.2015

 


Prof. Dr. Rainer Finke, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie

Auszug aus einer Mail an die Promovierenden Initiative:

"[…] gerade habe ich Ihren offenen und ehrlichen Brief gelesen und bin sehr froh, dass das lange Schweigen hoffentlich ein Ende hat."

19.06.2015

 


Perspektivlos in der Wissenschaft – Sparkurs der Landesregierung trägt Früchte

Zur Situation von Nachwuchswissenschaftler_innen an den Hochschulen des Landes erklärt der hochschulpolitische Sprecher der Fraktion Hendrik Lange:

"Für den wissenschaftlichen Nachwuchs an den Hochschulen verengen sich die Perspektiven immer weiter, und auch dies ist eine Folge des Sparkurses der Landesregierung.

Korrekturen sind hier dringend angemahnt, das wurde auch auf der unlängst durchgeführten Personalkonferenz der Fraktion überdeutlich. So wurde Forderungen nach mehr unbefristeten Stellen an den Hochschulen sehr klar artikuliert. Für Daueraufgaben braucht es Dauerstellen und einen Wissenschaftlichen Mittelbau, dessen Leistung auch hohe Anerkennung findet. Das gilt auch für die hohe Anzahl an schlecht bezahlten Lehraufträgen, die zurückgedrängt werden muss. Prekäre Arbeitsbedingungen an staatlichen Institutionen wie den Hochschulen sind ein Armutszeugnis für das Land.

Die Kürzungspläne der Landesregierung haben in den letzten Jahren zu vielen öffentlichen Aktionen, zu Protest und Solidarität geführt. Der wissenschaftliche Nachwuchs ist die eigentliche Zukunft der Hochschulen, und ihm gebühren Solidarität und Unterstützung.

Die Sparpolitik der Landesregierung trägt in der Tat Früchte – aber sie sind bitter. Und die jüngste Absage des Wissenschaftsministers, das Angebot an unbefristeten Stellen auszuweiten, ist nur ein erneuter Beleg dafür, dass die derzeitige Landesregierung immer wieder neu versagt und auf die wichtigen Fragen in Sachsen-Anhalt schon lange keine Antworten mehr geben kann. "

Magdeburg, 19.06.2015 / http://www.hendriklange.de/pm15_06_19.htm

 


 

Offener Brief: Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Wir lassen uns das nicht länger bieten! Die Landesregierung verspielt unsere Zukunft und die Entwicklungschancen des Landes!

Junge WissenschaftlerInnen in Sachsen-Anhalt verlangen Perspektiven.

auch als PDF-Download

Wegen angeblicher Einsparungen im Promillebereich des Landeshaushalts zerstören Landesregierung und Regierungsfraktionen die Zukunftschancen des Landes. Die jungen, hochmotivierten LehrerInnen, die das Land dringend braucht, die aber in die Fremde oder Arbeitslosigkeit getrieben werden, sind nur die Spitze des Eisbergs: Ein Großteil der hochqualifizierten AkademikerInnen wird gezwungen, auf der Suche nach Arbeit und Zukunftsperspektiven das Land zu verlassen. Dabei ist es zweitrangig, welche Fächer sie studiert haben – Sachsen-Anhalts Landespolitik will ihnen keine Perspektive und erst recht keinen sicheren Arbeitsplatz bieten. Allen Sonntagsreden über demografische Probleme zum Trotz blockieren die Herren Haselhoff, Bullerjahn und Möllring, unterstützt von Herrn Schröder und Frau Budde, den entscheidenden Schalter für die Zukunft von Wissenschaft, Forschung und innovationsförderndem Klima im Land. Statt hochwertige Arbeitsplätze zu erhalten oder zu fördern vergeben sie bisher lediglich (durchaus nützliche) Transfergutscheine. Sie vernichten jedoch parallel Arbeitsplätze in der öffentlichen wissenschaftlichen Lehre und Forschung. Großkonzerne, die hundertfach junge HochschulabsolventInnen in ihre Forschungsabteilungen nach Sachsen-Anhalt holen sind bisher bekanntlich Mangelware. Lukrative Arbeitsplätze sind eher auf sehr spezielle Fachgebiete beschränkt. Also danken die clevereren Bundesländer Sachsen-Anhalt für die „Freihauslieferung“ von qualifizierten LehramtsanwärterInnen sowie jungen als auch erfahrenen WissenschaftlerInnen – dem allseits beschworenen „wissenschaftlichen Nachwuchs“ – aller Fachgebiete.

Es ist Zeit das Schweigen zu brechen und ohne falsche Scham und Tabus in der Öffentlichkeit zu diskutieren, dass die Landespolitik Sachsen-Anhalts uns und unseren Familien keine Zukunft bieten will. Eine Verschärfung des Fachkräftemangels im Land wird dabei billigend in Kauf genommen. Wir lehnen es ab die jungen AbsolventInnen gegeneinander auszuspielen oder darum zu feilschen, ob es hier EINEN Lehrer, dort EINE Erzieherin oder EIN ZWEIJÄHRIGES Stipendium mehr gibt. Nicht kurzfristiger Erfolgszwang und Egoismus – das empathische und solidarische Miteinander bringen uns langfristig weiter! Wir haben fachliche Anerkennung für unsere wissenschaftliche Arbeit oder unser Lehramt erlangt, aber das Land betreibt Schönfärberei und lässt seine junge akademische Elite um Brosamen betteln.

Wie wird der „wissenschaftliche Nachwuchs“ konkret behandelt?

Die besten HochschulabsolventInnen mit der Absicht zur weiteren wissenschaftlichen Qualifikation dürfen jährlich um eine Handvoll Graduiertenstipendien buhlen. Das Land hatte noch vor kurzem die Absicht diese „Luxusförderung“ zu streichen. Es schien dem Land zu teuer, dass die jungen StipendiatInnen für zwei Jahre monatlich 894,76 € als „Lohn“ für ihre Forschungstätigkeit erhalten. Wobei sie davon ihren Unterhalt (und teilweise auch den Arbeitsplatz) sowie die Kranken- und Pflegeversicherung mit mindestens 158 € monatlich bestreiten müssen; für die Rente zählen diese Jahre keinen Cent. Trotz Kinderbetreuungszulage ist unter solchen Bedingungen kaum an eine Familiengründung zu denken. Beschämenderweise entspricht diese Stipendienhöhe gerade einmal 66% des gesetzlichen Mindestlohns, den jeder Ungelernte jetzt zu Recht wenigstens bekommt, wenn er acht Stunden täglich von Montag bis Freitag jobbt (8,50 € bei einer 40-Stundenwoche sind 1360 € brutto).

Auch in seiner Förderung von Wissenschaft und Forschung setzt das Land auf eine „Billig-Strategie“. Und wegen der bedrohlichen Unterfinanzierung der Hochschulen werden Promovierende und ProfessorInnen noch gezwungen sich untertänigst „bei Hofe“ zu bedanken, dass dieses landeseigene Wissenschaftlerausbeutungsprogramm bis 2018 gesichert wurde – mit 1,7 Mio jährlich. Der verzweifelte sogenannte wissenschaftliche Nachwuchs und die ProfessorInnen gerieten nämlich in Panik, als es hieß, dass auch diese „Förderung“ geschleift werden soll.

Für die glücklicheren DoktorandInnen gibt es gelegentlich sogar halbe Stellen. Gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften sind die jungen Menschen oft gezwungen jedes noch so prekäre Vertragsangebot als letzten Strohhalm zu ergreifen. Das ist entwürdigend und schadet der Wissenschaft und der Gesellschaft. Engagierte WissenschaftlerInnen investieren trotz Teilzeitstellen und/oder schlechter Bezahlung mehr als eine normale 40-Stundenwoche. Je nach Kassenlage gilt der Arbeitsvertrag für einen Monat, ein halbes Jahr oder auch mal zwei oder drei Jahre. Da die jungen WissenschaftlerInnen ja nur für eine Teilzeittätigkeit vergütet werden, können Sie sich nach Dienstschluss noch in einer Kneipe oder bei DHL betätigen. Ob sie ihren Doktortitel schaffen oder nicht, ist dem Land offensichtlich gleichgültig. Eine Verwendung für die frischgebackenen DoktorInnen sieht Sachsen-Anhalt nämlich nicht mehr vor. Nahezu alle Stellen für promovierte WissenschaftlerInnen wurden durch die Kürzungspolitik des Landes gestrichen. Deshalb stellt die Einwerbung von „Drittmitteln“ für die eigene Stelle meist die einzige Möglichkeit dar, in Sachsen-Anhalt auch nach der Promotion wissenschaftlich tätig zu sein. Durch kurzfristige Drittmittel wird aber keine Kontinuität in Wissenschaft und Lehre geschaffen. Dazu wäre eine langfristige Bindung von NachwuchswissenschaftlerInnen durch Dauerstellen notwendig.

Die bittere Realität in Sachsen-Anhalt im Jahr 2015 bedeutet für die Masse der hochqualifizierten  AkademikerInnen: Arbeitslosigkeit, Hilfskraftjobs oder Auswandern! Für diejenigen unter ihnen, die trotz des prekären Arbeitsverhältnisses mit ungewissem Ausgang eine Familiengründung gewagt haben, bedeutet die wissenschaftliche Laufbahn schlichtweg den stetig drohenden finanziellen Abstieg. Die Landespolitiker diskutieren über Fachkräftemangel und Defizite beim Wirtschaftswachstum?! Allein mit der – sinnvollen und notwendigen – Aktivierung älterer Arbeitsloser wird Sachsen-Anhalt keinen positiven Schub erzielen. Die Kürzungen des Landes zerstören Arbeitsplätze und Perspektiven für junge qualifizierte Menschen – nicht die notwendige Wartung einer Erdölraffinerie ist schuld. Hier fehlt der Landesregierung scheinbar das landeseigene Fachwissen, denn die Fakultät für Ingenieurwissenschaften an der Universität Halle hat das Land bereits vor Jahren zerschlagen. Seit einiger Zeit kursieren wieder Schließungslisten der Landesregierung. Wahlweise werden missliebige Institute aufgeführt. Entweder sollen die vermeintlich „schwachen“ Geisteswissenschaften abgewickelt werden, andererseits glaubt die Landesregierung durch Schließungsdebatten über Informatik und Medien- und Kommunikationswissenschaften die Hochschulen besser den Bedürfnissen der Wirtschaft anzupassen. Widerspruch versuchen die Herren Haselhoff, Bullerjahn und Möllring zu unterdrücken, indem potentiellen Kritikern an den Hochschulen  die Aufnahme auf die Schließungsliste droht. Eigentlich nur konsequent – denn wer würde die ganzen jungen Ingenieure und die zahlreichen motivierten Fachleute für Forschung und Entwicklung in Sachsen-Anhalt schon brauchen? Siemens, BASF, Dow, Daimler und Co. sollen sich ihren Fachkräftebedarf doch an den west- und süddeutschen Eliteuniversitäten decken. Dann brauchen die jungen HochschulabsolventInnen aus Bayern und Baden-Württemberg nach dem Studium nicht umziehen. So können sie – anders als ihre Altersgenossen in Sachsen-Anhalt – eine Familie gründen, damit die demografische Krise nicht auch die blühenden Landstriche an Donau und Neckar verheert.

Wir verlangen Perspektiven und zumutbare Beschäftigungsverhältnisse für junge WissenschaftlerInnen in Sachsen-Anhalt. Das Land hat die Verantwortung für die Entwicklungschancen der gesamten Gesellschaft. Ohne starke öffentliche Forschung – die auf einem soliden Fundament aufbaut – wird Sachsen-Anhalt niemals zu den in Wirtschaft und Wissenschaft leistungsstarken Regionen aufschließen. Ohne Stärkung der Grundfinanzierung der wissenschaftlich renommierten Hochschulen in Sachsen-Anhalt (erinnert sei z.B. an die drei Humboldt-Professuren für die Universität Halle) wird es hier vor Ort keine positive Auswirkung der bundesweit diskutierten Verbesserungen im Wissenschaftszeitvertragsgesetz geben. Die Hochschulen benötigen die finanziellen Mittel um ihren jungen MittarbeiterInnen reguläre und angemessene Arbeitsverträge anbieten zu können und auch die notwendigen unbefristeten Stellen für Daueraufgaben in Lehre und Forschung absichern zu können. Statt die Ressourcen für den dogmatischen „Schuldenabbau“ zu binden oder Millionen und Milliarden an den Börsen zu verspekulieren, sollten Landesregierung und Landtag ihrer wirklichen Verantwortung gerecht werden. Bundesmittel in Millionenhöhe aus dem Hochschulbereich dürfen nicht auf dreiste Weise im Landesetat verschwinden.

Wenn das Land seinen hochqualifizierten Menschen keine lukrative Berufsperspektive bietet, werden sie notfalls und teilweise schweren Herzens Sachsen-Anhalt oder ganz Deutschland verlassen. Statt kurzsichtigen Kürzungsorgien und Jammerei sollten wir unsere Hochschulen nicht „gesund schrumpfen“. Der globale Markt in Forschung, Entwicklung und Kreativwirtschaft schätzt Akademikerinnen und Akademiker „Made in Germany“ überall auf der Welt! Außer in Sachsen-Anhalt.

So wie die Katholische Kirche Luther nicht mundtot machen konnte, werden wir uns auch nicht mehr mit falschen Versprechungen und Heuchelei zum Schweigen bringen lassen. Wir sind nicht das Weltkulturerbe – aber wir sind ein Teil des Reichtums dieses Landes!

Wir rufen alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – Professorinnen und Professoren,  wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Lehrbeauftragte, Stipendiatinnen und Stipendiaten, Hilfskräfte, arbeitssuchende Hochschulabsolventinnen und -absolventen – und die Hochschulgremien und Rektorate im Land sowie alle sich um die Entwicklung von Wissenschaft, Bildung und Kultur sorgenden Menschen auf, unseren Protest zu unterstützen und in die Öffentlichkeit zu tragen!  Auch wir sind Sachsen-Anhalt!

Wir laden die interessierten Promovierenden und Promovierten zu einem offenen Treffen am 25.6.2015 von 18 bis 20 Uhr im Besprechungsraum im Stura (Halle, Universitätsplatz 7).

 

Kontakt:

Dr. phil. Hilmar Preuß oder Frank Ursin, M.A. über

promovierendeninitiative.halle@gmail.com 

Web: http://prorat.stura.uni-halle.de/

 

Erstunterzeichner (Halle, den 16. Juni 2015)                                                                                  

Promovierenden-Initiative Halle und die

Initiative für den wissenschaftlichen Nachwuchs Sachsen-Anhalt

Dr. phil. Hilmar Preuß (Martin-Luther-Universität Halle–Wittenberg; Initiative für den wissenschaftlichen Nachwuchs Sachsen-Anhalt)

Doreen Pöschl, M.A. (Martin-Luther-Universität Halle–Wittenberg; stellvertretende Sprecherin der Promovierenden-Initiative Halle)

Frank Ursin, M.A. (Martin-Luther-Universität Halle–Wittenberg; Sprecher der Promovierenden-Initiative Halle)

Tijana Matijevic, M.A. (Martin-Luther-Universität Halle–Wittenberg; internationale Doktorandin)

Anna Jouravel, M.A. (Martin-Luther-Universität Halle–Wittenberg; Doktorandin)

Philipp Mohr, (Martin-Luther-Universität Halle–Wittenberg; Doktorand)

 

Mitzeichner

Personalrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Studierendenrat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

ProRat Universität Leipzig

 

Unterstützer

GEW Sachsen-Anhalt

WissZeitVG – Was bedeutet die Novellierung für die MLU?

Liebe Promovierende, liebe Postdocs,

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: die Prekarisierung des wissenschaftlichen Nachwuchses stoppen. Ein Element ihrer Reformen ist die Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetztes (WissZeitVG).

Wir wollen wissen, was das für die Mitarbeiter der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg bedeutet. Außerdem: Wenn wir uns etwas wünschen dürften für ein neues Gesetz, was wäre das?
Podiumsdiskussion mit folgenden Gästen:

* Dr. Simone Raatz, MdB, Stellv. Vors. im Ausschuss für Bildung
* Prof. Dr. Michael Bron, Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, MLU Halle-Wittenberg
* Bertolt Marquardt, Personalrat MLU Halle-Wittenberg
* Dr. Carsten Hörich, jüngst promoviert an der Juristischen Fakultät der MLU Halle-Wittenberg

Moderation Dr. Katja Pähle, MdL.

Die Veranstaltung wird ausgerichtet von der Promovierenden-Initiative Halle, des AK ProRat des StuRa der MLU und dem Wissenschaftsforum Mitteldeutschland. Im Anschluss wird es ein paar Häppchen geben.

Ort: HS 13 im Löwengebäude am Universitätsplatz. Zeit: 26. Mai 2015, 19 Uhr.

Beste Grüße,
Frank Ursin

Engagier Dich! Komm zur nächsten Sitzung

Liebe Doktorandin, lieber Doktorand,

du bist Mitarbeiter oder Promotionsstipendiat? Deine Promotion wird gut betreut oder du bist schlecht beraten? Du fühlst dich und deine Interessen (nicht) vertreten und möchtest dich engagieren?

Dann komm zur Promovierenden-Initiative Halle (PI Halle). Wir engagieren uns hochschulpolitisch für dich, kämpfen für gute Betreuung und beraten dich bei rechtlichen, sozialen und anderen promotionsbezogenen Problemen. Diese ehrenamtliche Arbeit können wir aber nur leisten, wenn wir viele Mitstreiter sind.

Fühl dich also herzlich eingeladen, unsere Orga-Sitzungen zu besuchen. Immer am letzten Donnerstag im Monat von 18 bis 20 Uhr treffen wir uns im Besprechungsraum im Stura (Universitätsplatz 7). Danach ab 20 Uhr gehen wir gemeinsam zum Promovierendenstammtisch. In unserem Newsletter erfahrt ihr vorher, wo es hin geht.

Was wollen wir?
Wir fordern die Einrichtung eines ständigen Promovierendenrates (ProRat), der bei allen Belangen der Promovierenden gehört werden soll. Hier können wir unsere Interessen bündeln, die nicht immer vom Personalrat oder dem StuRa abgedeckt werden können. Wir fordern eine gute Betreuung für Doktorand_innen, die man in einem ersten Schritt über eine verpflichtende Betreuungsvereinbarung erreichen kann. Wir fordern (ganz utopisch) einen gesetzlich fixierten Status für Doktorand_innen, zumindest aber eine Zuordnung zum Mittelbau. Denn auch viele von uns lehren und wir alle leisten mit unseren Dissertationen Forschungsarbeit. Deshalb wollen wir institutionell an die MLU angebunden werden.

Es bewegt sich was!
Wir haben die Diskussion um eine verpflichtende Betreuungsvereinbarung zwischen Betreuer und Doktorand_in angestoßen. Wir haben darauf hingewiesen, dass für einen demokratisch gewählten ProRat Wählerlisten existieren müssen – doch bislang kennt die MLU die Zahl der Doktorand_innen überhaupt nicht. Es gibt lediglich ‘begründete Schätzungen’. Nun sollen alle Doktorand_innen in einer digitalen Doktorand_innenkartei erfasst werden. Die Novellierungen des Hochschulgesetzes von Sachsen-Anhalt und des Wissenschafts Zeitvertrags Gesetztes stehen dieses Frühjahr an. Die Zeit ist günstig, sich in die Diskussionen um die Zukunft der Promotion in Halle, in Sachsen-Anhalt und auch Deutschland einzubringen. Tatsächlich gibt es bereits u.a. in Leipzig, Jena und Freiberg Doktorand_innenvertretungen. Die Mittelbau-Initiativen Leipzig und Dresden erwachen. Wann, wenn nicht jetzt sollten wir etwas tun?

Was wir in den nächsten Sitzungen besprechen wollen:
  • Planung einer Vollversammlung aller Promovierenden
  • Promotionsvorträge weiterführen
  • Politische Arbeit intensivieren
  • Erstellung des Leitfadens für Promovierende (Stichwort Willkommenskultur)
  • Erstellung einer Satzung für uns

 

​Mit den besten Wünschen,
Frank Ursin​
Sprecher der Promovierenden-Initiative Halle
Sprecher des AK ProRat des StuRa der MLU Halle-Wittenberg
promovierendeninitiative.halle@gmail.com
 
Gibt Stimme. Schafft Wissen. Fordert Status.

4. Promotionsvortragsabend

Wir laden alle Interessierten zum 3. Promotionsvortragsabend ein, an dem Promovierende ihr Promotionsthema oder bestimmte Aspekte ihrer Themas vorgestellen.

 
Poster_PromVorträge

 

Promotionsvorträge (PDF)

Deutsches Studentenwerk fordert Reform der Krankenversicherung für Studierende und Promovierende

Auch das Deutsche Studentenwerk setzt sich jetzt für einen eigenen gesetzlichen Krankenkassentarif für Promovierende ein. Gerade Stipendiatinnen und Stipendiaten sehen sich oft dem verhältnismäßig hohen Mindestbeitragssatz der gesetzlichen Krankenkassen ausgeliefert.

In dem Papier des Studentenwerk heißt es:

“2. Promotionsstudierende, die keiner versicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, fallen aktuell aus den System der Krankenversicherung heraus:

  • In der studentischen Krankenversicherung dürfen sie sich nicht mehr versichern, da die studentische Krankenversicherung nur für die wissenschaftliche Erstausbildung (Bachelor + Master, Staatsexamen, Magister) gedacht ist.
  • Da viele von ihnen keiner sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, können sie sich auch nicht in der Krankenversicherung für Arbeitnehmer*innen versichern.
  • Somit bleibt nur die freiwillige Versicherung in einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse, obwohl Promovierende ohne reguläres Einkommen im Regelfall nicht mehr Geld zur Verfügung haben, als während ihres Erststudiums.”

Den ganzen Beschluss findet ihr hier:

http://www.studentenwerke.de/de/MV2014-5